Fünf Tage in New York

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5 Tage in New York

5 Uhr morgens: Die Stadt lebt. Auf den Straßen sind schon die ersten Autos und Passanten unterwegs. Je älter der Tag, desto voller die Weltmetropole – älter heißt: 6 Uhr morgens. Die Stadt ist hellwach und ihr Herz rast. Auf dem Times Square treffe ich die ersten Jogger, die ihre Sportrunde drehen. Die kleinen traditionellen „street vans“ verkaufen die ersten „Coffee to go“. Die Lieferservices sind längst zu den Eventlocations unterwegs. Vor dem Rockefeller Center sind die kleinen Vasen mit Blümchen und die elfenbeinweißen Tischdecken bereit für die Tische.
Nur die Obdachlosen schlafen noch, unbeeindruckt vom Lärm und dem Leben auf der Straße. Menschen, an denen das Leben vorbeizieht. Nur ein paar sind wach und die harte Nacht ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Als mich einer um 25 Cent fragt, stecke ich meine Hand in die Tasche und gebe ihm, was ich dort an Kleingeld finde. Manche Schicksale sind bitter, und nicht immer gibt es auf die Frage „Warum?“ eine Antwort.
In New York leben Menschen aller Religionen und Ethnien zusammen. Das Leben scheint hart zu sein. Ein Großteil der Menschen sieht müde und erschöpft aus. Aber viele schaffen es trotzdem, freundlich zu sein. Die Verkäuferin am Kaffeestand singt den Song von Adele mit, der gerade im Radio läuft – laut und voller Emotionen. Die Kunden stehen an und keiner fühlt sich gestört, keiner drängelt oder beschwert sich. Im Aufzug in den vielen Wolkenkratzern, die es in New York gibt, ruft dir jemand zu, welchen Knopf du für ihn drücken sollst. Das „How are you today?“ gehört zum Begrüßungsritual und der Small Talk funktioniert so ziemlich mit jedem. Auch wenn das manchem „oberflächlich“ vorkommen mag, schenkt es Freude und Gelassenheit für den Tag – nicht zu vergessen, dass Kommunikation und soziales Miteinander zu unseren Grundbedürfnissen gehören, zumindest nach Maslows Bedürfnispyramide.

Auf den ersten Blick sagen die vielen Gesichter einem nichts. In der anonymen Stadt geht jeder seiner Wege – und das in einem Tempo, das für soziale Kontaktaufnahme und Gespräche anscheinend keinen Platz bietet. Aber wenn die Menschen hier miteinander reden, dann freundlich. Das ist es, worauf es ankommt. Dies ist die Grundvoraussetzung für das Miteinander in der Vielfalt.

Trotz der derzeitigen rechtsorientierten US-Politik habe ich auf den ersten Blick den Eindruck, dass in dieser unglaublichen Vielfalt, die ich sonst nirgendwo auf der Welt gesehen habe, den New Yorkern das Miteinander gelungen ist. Warum nicht etwas Positives von anderen übernehmen? So wächst eine Gesellschaft zusammen. Dies nehme ich mit aus New York.

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